Haus Kloppenburg Der Verein
Der Verein
Das Team
Das Team

CIM
Co-Counselling
Co-Counselling

Fair streiten lernen
Fair Streiten
Das Programm
Fotoalbum
Der Weg zu uns
Impressum
Haus Kloppenburg Zentrum für psychotherapeutische und soziale Arbeit, Wasserweg 149, 48149 Münster zurück
Co-Counselling
wie alles begann
Die Praxis
CIM
CCI 2009
CCI 2009:
Achtsamkeit
Die Theorie
Kleines Werbeblatt
Co-Counselling als
spiritueller Weg

Johannes Risse
Kontakt
Links

 

Terminkalender

Glaube und Erfahrung – ein Selbsthilfeprogramm lehrt beten
(von P. Johannes Risse)

Als gläubige Christen stehen wir mit unserem Glauben auf den Erfahrungen der Bibel und in der Tradition der Kirche. Jede Zeit und jeder einzelne Mensch ist aufgefordert zu überdenken, wie er den Glauben für sich in seiner Zeit lebt. Wie unterschiedlich der Glaubensausdruck ist, zeigt uns das Alte und Neue Testament. Es heißt immer: Kehrt um! Werdet neu! Alle Gläubigen stehen und standen vor der Frage: Wie sieht das aus für mich? Oder anders gesagt: Was will Gott von mir? Was ist sein Ruf an mich? Hier möchte ich von einem Weg berichten, der mir gute Bedingungen zu eröffnen scheint, um Gottes Ruf zu hören und seine Sprache zu verstehen. Dieser Weg ist in ein Selbsthilfeprogramm gefasst. Es heißt: „Co-counselling“ auf deutsch: Mit sich zu Rate gehen!

Der Grundstein für diesen Weg ist das Einüben in die Haltung einer „freien Aufmerksamkeit“. Das soll eine Haltung sein, die möglichst absichtslos ist, die nicht vorab bewertet, sondern hinnimmt und sein lässt. Ein zweiter Grundsatz ist: Jeder Mensch verdient diese freie Aufmerksamkeit. Sie bedeutet, anwesend zu sein, da zu sein bei mir selbst und bei den anderen, die mir begegnen. Das ist eine Voraussetzung für Anerkennung, Wertschätzung und Vertrauen. Da zu sein erinnert an die Geschichte vom brennenden Dornbusch, der brennt und nicht verbrennt. Da gibt Jahwe Mose seinen Namen bekannt: Ich bin „Der Ich-bin-da“. Etwas anders drückt Erich Fried die Haltung der freien Aufmerksamkeit aus in seinem Gedicht „Was es ist:“ „Es ist Unsinn sagt die Vernunft / Es ist was es ist, sagt die Liebe.“

So ist freie Aufmerksamkeit als menschliche Haltung eine angemessene Bedingung, um das eigene Denken, Fühlen und Handeln wahrzunehmen und für Veränderung zu öffnen. Dazu hilft ein weiterer Schritt des Selbsthilfeprogramms: In der Gegenwart eines anderen Menschen, der in freier Aufmerksamkeit da ist, all das auszusprechen, was mich beschäftigt. So begegne ich mir selbst und übe auf die erste Frage der Bibel: „Wo bist du Adam?“ zu antworten. Man nennt diese Art zu denken und zu sprechen: assoziativ. Sie steht im Gegensatz zum logischen Denken, das urteilend und bewertend ist. Beide Arten des Denkens haben ihre Berechtigung und eröffnen unterschiedliche Arten der Erkenntnis. Uns Gott zu nähern geht wohl eher über das assoziative Denken. Von Jesus heißt es: Er redete in Gleichnissen zu ihnen und ohne Gleichnisse redete er nicht.“ Gleichnisse aber regen das assoziative Denken und Erkennen an.

Es gehört Wertschätzung und Mut dazu, auf diese Weise zu sprechen und zu denken. Ich weiß ja nicht, was mir einfällt und was der denkt, der mir Aufmerksamkeit schenkt.

Solche Erfahrung: auszusprechen, was mich bewegt, im Vertrauen darauf, angenommen und geschätzt zu werden, kann eine Hilfe für die Einübung ins Beten sein. Die Psalmen zeigen es uns. Der Psalmist bittet immer wieder um die freie Aufmerksamkeit Gottes, wenn er sagt: „Verbirg nicht dein Gesicht vor mir.“ Die Erfahrung aber, dass in dem Selbsthilfeprogramm des „Co-counselling“ ein Mensch mir diese Aufmerksamkeit tatsächlich schenkt, kann mir eine Ahnung davon geben, was es heißt, in der freien Aufmerksamkeit Gottes zu stehen und dass ich mein Herz vor ihm ausschütten kann. (Ps. 62)

So ist die Selbsthilfe durch „Co-counselling“ eine praktische Einübung ins Gebetsleben.

Gott schenkt mir freie Aufmerksamkeit und ich ihm, wo ich mein Herz vor ihm ausschütte. Das macht mich hellhörig für seinen Ruf an mich.

Das Einüben und die Erfahrung der Haltung freier Aufmerksamkeit sowie das assoziative Sprechen können mich nicht nur für mich und die Menschen in der Welt öffnen, sie sind auch Bedingungen für einen gelebten und gebeteten Glauben.

Der 102. Psalm gibt ein Beispiel, wie Menschen auch früherer Zeiten in dieser Weise ihren Glauben ausgedrückt haben:

„Gebet eines Unglücklichen, wenn er in Verzweiflung ist und vor dem Herrn seine Sorgen ausschüttet

Herr, höre mein Gebet!
Mein Schreien dringe zu dir!
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir! 
Wenn ich in Not bin, wende dein Ohr mir zu!
Wenn ich dich anrufe, erhöre mich bald!“

Auf dem dargestellten Weg des „Mit-sich-zu-Rate gehens“ (Co-counselling) machen Menschen auch heute Erfahrungen, die sich in der Bibel wiederfinden. Das ist Glaubensverkündigung durch Erfahrung.