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Eine kleine Einführung
von Ludger Schwarte

Das Co-Counselling wurde ursprünglich in den 50er Jahren in den USA entwickelt und ist seitdem von engagierten Menschen weitervermittelt und weiterentwickelt worden, es haben sich z.T. sehr verschiedene Richtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gebildet, je nach Ausrichtung der beteiligten Menschen und Kulturen (Co-counselling-Organisationen gibt es in vielen Ländern). Auf die genauere Entwicklung des Co-counselling kann und soll hier nicht weitergehend eingegangen werden, Darstellungen dazu finden sich in der weiterführenden Literatur.

Das Co-counselling, wie es hier dargestellt wird, wurde in England weiterentwickelt und von dort nach Deutschland weitergetragen und wird seit über 20 Jahren im Haus Kloppenburg vermittelt. Es lehnt sich an an die Prinzipien der Vereinigung Co-Counselling-International (CCI).

Ich möchte hier auf die Theorie - und etwas die Praxis - des Co-counsellings allgemein eingehen. Mangels Platz kann ich dabei nur versuchen, wesentliche ausgewählte Grundprinzien aufzulisten und diese kurz zu beschreiben. Dies geschieht ganz aus meiner Sicht: es ist eine subjektive Beschreibung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema findet sich eine gut zu lesende Darstellung des Co-counselling in:

  • Karola Berger: "Co-Counseln: Die Therapie ohne Therapeut". Sachbuch 9954 im Rowohlt-Verlag, Reinbeck.
  • J. Rowan & W. Dryden (Hrsg.): "Neue Entwicklungen der Psychotherapie" (Transform-Verlag, Oldenburg, 1990, S. 98 - 125).

Einige wesentliche Merkmale des Co-counsellings (CCI):

  • das positive Menschenbild: Jeder Mensch ist ausgestattet mit einem großen Potential an emotionalen und geistigen Fähigkeiten. Diese sind mehr oder weniger blockiert, können aber in der therapeutischen Arbeit freigesetzt werden.
  • die Theorie der Blockaden, Störungen: Sie entstehen, wenn natürliche emotionale Reaktionen, die auf emotional erregende Situationen erfolgen, unterdrückt werden und keine Entladung durch angemessenen Ausdruck der Gefühle erfolgt. Je stärker die beteiligten Emotionen, je grundlegender die Situation und je häufiger der entsprechende Ablauf vorkommt, je früher im Leben sie auftritt, desto stärker und umfassender wird die Blockade und Störung wahrscheinlich werden.
  • die Beziehungsgestaltung: Die Gleichheit der Beziehung zwischen den beteiligten Menschen; in der Arbeit ausgedrückt dadurch, dass die Beteiligten in jeder Sitzung nacheinander sowohl "KlientIn" als auch BeraterIn sind. Die Rollen werden getauscht, jede und jeder trägt dieselbe Verantwortung für ihre/seine eigene Arbeit und für die entsprechende Unterstützung der Mit-CounsellerInnen. Diese besteht vor allem in der freien Aufmerksamkeit, die der/dem an sich arbeitenden Mit-CounsellerIn geschenkt wird. Außerdem können sie Vorschläge zum weiteren Vorgehen machen, die der/die "KlientIn" annehmen oder zurückweisen kann.
  • der kathartische Prozess: Das wesentlichste Element des CC, auf das die meisten Techniken im therapeutischen Ablauf ausgerichtet sind.
    Möglichkeiten, Kartharsis zu erreichen sind u.a.: zu üben, Emotionen auszudrücken, welche normalerweise eher unterdrückt werden; sich an belastete Situationen oder Beziehungen erinnern und diese Erinnerungen ausdrücken und den Ausdruck intensivieren. Wichtig dabei ist u.a. eine "balancierte Aufmerksamkeit": die Aufmerksamkeit ist intensiv auf das innere Geschehen gerichtet, aber auch auf die äußere Situation des therapeutischen Settings:, d.h. die Sicherheit und Zuwendung durch die Mit-CounsellerInnen.
  • die Neubewertung: In Folge von kathartischer Entladung entsteht, durch die Lockerung oder Auflösung der emotionalen Blockaden, eine neue Einsicht in die betroffenen Bereiche, es wird möglich, das eigene Tun, Denken und Fühlen anders zu betrachten und neu zu bewerten. Alte Muster werden erkannt und gebrochen. Die neu gewonnene Einsicht zu nutzen, für den Alltag umzusetzen, indem neue Ziele für Gefühle und Verhalten gesetzt werden (z.B. in Form eines Leitsatzes), ist ein weiterer ganz wesentlicher Schritt im Prozess des CC.
  • das Üben von neuen Verhaltensweisen: Die anhand der Neubewertung von Verhalten, Gedanken und Einstellungen erarbeiteten neuen Ziele, Verhaltens- und Denkweisen können in Rollenspielen eingeübt werden. Werden durch die ("Zukunfts-") Rollenspiele alte Muster aktiviert, kann das Brechen der Muster weiter geübt werden bzw. ein entsprechender kathartischer Prozess eingeleitet werden. Dies kann ganz wesentlich die Umsetzung der neu gewonnen Freiheit in den Alltag unterstützen und verbessern.
  • das Feiern: Feiern bedeutet im CC, seine - alten und neuen - Fähigkeiten, Möglichkeiten und Erfolge in Worte zu fassen, hervorzuheben und der Freude darüber Ausdruck zu geben.
    Auch dies ist ein sehr wichtiges Element des CC, welches das Ziel hat, zu lernen, die Aufmerksamkeit immer wieder auf die eigenen Stärken zu lenken, und um so das eigene Selbstwertgefühl zu steigern und zu festigen.

Die genannten Punkte mögen sich zu einem groben Gerüst zusammenfügen und zusammen mit anderen Berichten und vielleicht eigenen Erfahrungen ein runderes Gesamtbild ergeben.

Viele einzelne Aspekte des CC finden sich in vielen anderen Therapieformen wieder, vor allem in enger verwandten humanistischen, insbesondere der Gestalttherapie.

Zwei einzigartige Aspekte des CC möchte ich hervorheben:

  • den Ansatz zur Selbsthilfe. Mit Hilfe der Theorie und Praxis des CC - insbesondere der genauen Verhaltensanweisungen für die Therapie - können Menschen in die Lage versetzt werden, als "Laien" miteinander therapeutisch hilfreich tätig zu werden.
  • den damit eng verknüpften Aspekt der Eigenverantwortlichkeit, der im CC so konsequent wie sonst nirgends umgesetzt wird: allein die/der KlientIn bestimmt, wie sie/er mit sich selbst arbeitet. Dieser Grundsatz gilt letztendlich auch in der Arbeit eines/r KlientIn mit einer/m professionellen TherapeutIn - und ermöglicht so eine Praxis, in der ein Erlernen von selbständiger Beobachtung, Entscheidung und Veränderung, von eigenständigem Lernen von Anfang an gefordert ist. Und die Fähigkeit zur "Arbeit mit sich selber" - in anderen Therapien z.B. als "Selbstmanagement" beschrieben - ist entscheidend für eine grundlegende Entwicklung fort von starren, krankmachenden Mustern und Strukturen hin zu mehr Freiheit, das eigene Leben zu bestimmen und zu gestalten.